125 Jahre gesetzliche
Rentenversicherung

Die Einführung der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 1889 war ein Meilenstein für die Sozialversicherung in Deutschland. In den seither vergangenen 125 Jahren blieb sie stets stabil und doch beweglich genug, um auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren zu können.

Wir möchten Sie auf dieser Webseite durch 125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung führen. Dabei verbinden wir die Geschichte der gesetzlichen Rentenversicherung mit gesellschaftlichen, politischen und sozialen Entwicklungen in Deutschland. Wir wünschen Ihnen einen abwechslungsreichen und informativen Blick auf eine bewegte Geschichte der gesetzlichen Rentenversicherung.
1889
2014
1889-
1914

Geburtsstunde

Einführung der Renten- und
Invalidenversicherung in Deutschland

Die Industrialisierung brachte technischen und wirtschaftlichen Fortschritt, sie führte aber auch zur Verarmung großer Teile der Arbeiterschaft. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wuchs die Unzufriedenheit über diesen Zustand. Um diese „soziale Frage“ zu lösen, vor allem aber um eine weitere politische Radikalisierung in der Arbeiterschaft abzuwenden, fasste Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck Anfang der 1880er Jahre den Plan, eine gesetzliche Sozialversicherung einzurichten. Die Einführung der gesetzlichen Invaliditäts- und Altersversicherung 1889 war Teil der Sozialversicherung und auch international betrachtet ein wichtiger sozialpolitischer Meilenstein. Sie begründete das gesetzliche Rentensystem, wie es in Deutschland bis heute 50 Millionen Versicherte und 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner sichert.
1914-
1933

Belastungsproben

Vom Ersten Weltkrieg bis zum
Ende der Weimarer Republik

Der Erste Weltkrieg stellte die gesetzliche Rentenversicherung auf die Probe. Im Laufe des Krieges wuchs die Zahl der auszuzahlenden Invalidenrenten sowie der anspruchsberechtigten Witwen und Waisen sprunghaft an. Durch die Inflation in den Nachkriegsjahren gingen den Versicherungsträgern beträchtliche Versicherungsvermögen verloren und auch die Weltwirtschaftskrise belastete die Rentenkassen ab Oktober 1929 in hohem Maße. Die schnell ansteigende Arbeitslosigkeit und Lohnkürzungen führten zu Einnahmeverlusten. Diesen Verlusten begegnete die Politik Anfang der 1930er Jahre mit einem strikten Sparkurs und durch die Auflösung von Reserven.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 wurden die Rentenversicherungsträger gleichgeschaltet, jüdische Beschäftigte und politische Gegner entlassen und das Selbstverwaltungsprinzip abgeschafft. Gesundheitsmaßnahmen und Heilverfahren gewährten die Rentenversicherungsträger ab 1933 nach „erbbiologischen“ und „rassischen“ Kriterien. Ab 1937 wurden im Fall sogenannter staatsfeindlicher Betätigung die Rentenleistungen entzogen. Jüdinnen, Juden und andere rassisch Verfolgte verloren ab Anfang der 1940er Jahre schrittweise jeglichen Rentenanspruch. Millionen ausländischer Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter waren während des Zweiten Weltkrieges zwar pflichtversichert, daraus resultierten jedoch keine Rentenansprüche.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das Sozialversicherungssystem in Ost und West unterschiedlich. In der Bundesrepublik wurden das gegliederte Sozialversicherungssystem, die Selbstverwaltung und die Trennung zwischen Arbeiterrenten- und Angestelltenversicherung wiederhergestellt. 1953 fanden nach 25 Jahren die ersten Sozialwahlen statt. Die Rentenreform von 1957 stellte die gesetzliche Rentenversicherung in der Bundesrepublik Deutschland schließlich völlig neu auf. In der sowjetisch besetzten Zone wurden alle Sozialversicherungszweige in einer Einheitsversicherung zusammengefasst. Die Landesversicherungsanstalten wurden zunächst zu einer zentralen Sozialversicherungsanstalt der DDR zusammengeführt.
1972-
1989

Gesellschaftlicher Wandel

Anpassungen an politische, ökonomische
und demografische Veränderungen

Die 1973 einsetzende Ölpreiskrise führte in die Rezession. Dies wirkte sich in der Rentenversicherung negativ auf die Zahl der Beitragszahler und das Beitragsaufkommen aus. Infolgedessen kam es ab Ende der 1970er Jahre zu gesetzlichen Änderungen, deren Ziele Einsparungen und eine Finanzkonsolidierung waren. Vor dem Hintergrund der Krise setzte eine Diskussion um die künftige Finanzierbarkeit der Rente ein. Gesellschaftliche Trends wie sinkende Geburtenraten und der Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung machten absehbar, dass in der Bevölkerung der Anteil der Menschen im Erwerbsalter künftig abnehmen und der Anteil der Älteren steigen würde. Infolge der Ölpreiskrisen gerieten auch die Länder des „Ostblocks“ in Rezessionen. Dennoch kam es in der DDR nicht zu Kürzungen der Rentenleistungen. Sonder- und Zusatzversorgungssysteme, die besonders die Mitglieder des Staatsapparats und ihm nahestehende Berufsgruppen privilegierten, wurden weiter ausgebaut.
1990-
2005

Neue Herausforderungen

Die Rentenversicherung im
geeinten Deutschland

Im Zuge der Deutschen Einheit entstand in Ostdeutschland wieder ein gegliedertes Sozialversicherungssystem. Anwartschaften und Ansprüche, die die Menschen in den Alterssicherungssystemen der DDR erworben hatten, wurden in die bundesdeutsche gesetzliche Rentenversicherung überführt. Hier zeigte sich die enorme Anpassungsfähigkeit eines umlagefinanzierten Rentensystems. Kurz nach der Jahrtausendwende brachten mehrere Gesetze weitreichende Veränderungen für die gesetzliche Rentenversicherung. Das seit den 1950er Jahren bestehende Leitbild – die Lebensstandard sichernde Funktion der gesetzlichen Rentenversicherung – wurde aufgegeben. Die gesetzliche Rente als nach wie vor wichtigste Säule der Alterssicherung soll zur Lebensstandardsicherung künftig mit der privaten und betrieblichen Alterssicherung zusammenwirken.
2005-
2014

Bereit für die Zukunft

Die Rentenversicherung heute

Nach 125 Jahren blickt die gesetzliche Rentenversicherung auf eine wechselvolle Geschichte zurück, in der sie sich auch in schwierigen Zeiten als leistungs- und anpassungsfähig erwiesen hat. 125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung zeigen: Sie ist stabil, verlässlich und anpassungsfähig. Durch die zahlreichen Rentenreformen der Vergangenheit ist die Rentenversicherung gut auf den Wandel der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vorbereitet. Aber auch weiterhin wird die Rentenversicherung an die sich verändernden Erfordernisse angepasst werden müssen. Damit wird sie auch künftig leistungsfähig sein. Und das ist besonders wichtig, weil die gesetzliche Rentenversicherung für den Einzelnen und für die Gesellschaft unverzichtbar ist.

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